Der Berliner Flughafen

Gelder, die wegen des Baustopps z.Z. nicht benötigt und deshalb geparkt werden, bringen so niedrige Zinsen, dass diese unterhalb der Inflationsrate liegen und der spätere Kauf von Ausrüstungen teurer wird, ganz abgesehen von den Mehrkosten wegen der Beachtungspflicht neuer Standards, der Notwendigkeit von teilweisem Abriss und Neuplanung usw.
Die Süd-Startbahn soll vorzeitig fertiggestellt werden und Schönefeld entlasten. Überhaupt könnte Schönefeld möglicherweise so die Überlegungen, in das Projekt BER einbezogen werden, um eine höhere Kapazität zu erreichen.
Die Suche nach einem neuen Geschäftsführer blieb bisher ergebnislos. Es hagelte Absagen. Zuletzt glaubte man, den Pensionär Bender im Alter von 68 Jahren , der früher Frankfurt leitete und Freund von Ammann ist, gewonnen zu haben, aber er sagte heute Vormittag (so die Nachrichten) auch ab. So bleibt BER ein Pleiteobjekt. Bei der bisherigen Prüfung wurden 2000 gravierende Mängel festgestellt.

In den diesjährigen Karnevalssitzungen nimmt BER einen großen Platz ein. So eröffnete ein Karnevalsverein seine Prunksitzung mit dem Satz: Da BER nicht rechtzeitig fertig wurde wollte man zu Beginn einen Witz darüber machen, aber dieser könne nicht vorgetragen werden, da er “ ebenfalls nicht rechtzeitig fertig geworden“ sei.

Russland hat angekündigt, sich am Weiterbau von BER zu beteiligen (aeroprojects Moskau), bisher sucht man aber im Verkehrsministerium Berlin angeblich noch nach dem eingegangenen Angebotsschreiben. Man muss aber wissen, dass der Flughafen Scheremetjewo (Moskau) damals von Deutschland gebaut wurde. Nach wie vor sucht man händeringend nach 2 neuen Geschäftsführern, nachdem der alte Geschäftsführer Schwarz gefeuert wurde. Von den angesprochenen Personen haben bisher alle abgelehnt! Die Staatskanzlei Potsdam hat einen verantwortlichen Koordinator benannt (Brettschneider). So muss Platzeck nicht selbst abdanken, falls es wieder nicht klappt. Im diesjährigen Karneval spielt BER eine herausragende Rolle: Wowereit wäre fällig für einen Umweltpreis, weil ihm zu danken sei, dass durch Nichtfliegen Schadstoffbelastungen vermieden würden. Fast jeden Tag wird erneut über BER berichtet.

Der unterirdische Bahnhof ist längst fertig und ist gegenwärtig ein Geisterbahnhof. Täglich rollen dort 26 Züge als Geisterfahrten hin und her, weil der Bahnhof belüftet werden muss, damit er nicht verschimmelt und Weichen und Signale nicht einrosten. Kosten: 2 – 3 Millionen Euro pro Monat!. Die Bautätigkeit ruht, der anvisierte Berater (als Geschäftsführer), Herr Bender aus Frankfurt/M (ehemaliger Leiter des dortigen Flughafens), hat wegen Vertrauensbruchs abgesagt, Brandenburg und Berlin sind tief zerstritten, die Bautätigkeit ruht. (Da der Bau Tag und Nacht beleuchtet ist – der Ausschalter wurde ja bisher nicht gefunden – könnte dort zur Senkung der Unkosten vielleicht Mohn angebaut werden?!) Spaß beiseite – es ist schon schlimm, wenn Politiker meinen, sie verstünden zu bauen.

Die aktuelle Situation beim BER ist folgende: Mehdorn (neuer Geschäftsführer) und Ammann (Technischer Direktor) sind tief zerstritten und tragen diesen Streit öffentlich aus. Der ehemalige Geschäftsführer Schwarz war ja in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Jetzt wurde ihm fristlos gekündigt, und er soll vom Vorstand zu Schadenersatz verpflichtet werden (er hat aber eine entsprechend hohe Versicherung). Ein Eröffnungstermin steht noch immer nicht fest. Die Eröffnung soll schrittweise erfolgen und unter Nutzung des Flughafens Schönefeld, da BER zum Zeitpunkt der verspäteten Eröffnung zu klein sein wird. Schrittweise Eröffnung bedeutet aber auch, dass Tegel noch mindestens 1/2 Jahr nach Eröffnung von BER in Betrieb bleiben wird, um weitere Komplikationen zu vermeiden. Die aktuell geplanten Flurouten wurden von Brüssel abgelehnt, da sie über den Wannsee (Atom-Forschungsreaktor!) und über den Müggelsee (Trinkwassereinzugsgebiet; Gefahr der Verseuchung durch Ablassen von Kerosin und Gefahr bei einem Unfall) gehen. Es gab eine entsprechende Klage von Anwohnern. Diese wurde in der vergangenen Woche vom Berliner Landgericht abgewiesen: die Flugrouten seien rechtens (trotz der Ablehnung aus Brüssel). Nun wird dieser Rechtsstreit wohl durch weitere Instanzen gehen (Bundesgerichtshof, Europäischer Gerichtshof).

Zum BER: 4,3 Milliarden sind verbraucht. Jeder Monat kostet 17 Millionen (nicht gerechnet die wegfallenden Einnahmen). Der Lärmschutz wird viel teurer als geplant und liegt jetzt bei 730 Millionen.

Die BER-Posse geht weiter mit Absagen. Der von Mehdorn geplante Probebetrieb am Nordpier ist geplatzt. Während der Sanierung der Nordbahn hätte die Südbahn vorübergehend in Betrieb genommen werden müssen. Dafür hätte Mehdorn einen Kredit aufnehmen müssen, auch um die erheblichen Schallschutzmaßnahmen zu realisieren (44 Millionen Euro). Die Kreditaufnahme ist jedoch nicht gelungen. Das bedeutet: nach vorheriger vollmundiger Ankündigung von Mehdorn, den Probebetrieb noch in diesem Jahr unter Nutzung des Nordpiers aufnehmen zu wollen, kündigte er jetzt an, die Eröffnung von BER werde wohl erst 2016 erfolgen können, auch wegen der Planungsmängel und der Mängel beim Brandschutz. (Wozu hatte er dann wohl Amann entlassen, der dies vorausgesagt hatte?) Was bedeutet dies finanziell? Der Mehraufwand für die Offenhaltung von Tegel und Schönefeld verschlingt monatlich 17 Millionen Euro. Rechnet man die Einnahmeausfälle von BER wegen dessen Nichteröffnung hinzu, kommt man auf etwa 35 Millionen Euro pro Monat. Bereits im Jahre 2012 wurde ein Verlust von 185 Millionen Euro errechnet. Wollen sehen, wie das so weitergeht.